Mittwoch, 8. Juni 2011

Was war?

Ich muss immer selber nachschauen: Von welchem Zeitpunkt an soll ich berichten, was die datierten Ereignisse angehen? Wie ich schon im letzten Beitrag sagte: Mich interessiert nicht, was die anderen machen, mich interessiert, was sie denken. Deshalb übergehe ich oft, was ich selbst mache, weil es an sich uninteressant ist. Und was innerhalb eines bestimmten Zeitraums war, spielt für mich keine Rolle, Daten verlieren immer mehr ihren Wert für mich, Chronologie interessiert mich nicht so sehr. Es kommt auf Erlebnisse an, wann immer die passierten.

Nichtsdestotrotz. Es ging kürzlich um das Thema „Medienauftritt“, genauer: SWR Landesschau. Was soll ich sagen: Auch wenn sich der Neuheitswert – huch, Fernsehen! Was ziehe ich bloß an und hoffentlich habe ich keinen Blackout! - mittlerweile ein wenig abgenutzt hat und es auch hinter den Kulissen einfach ganz normale Arbeit ist: Mit Fernsehleuten mache ich bisher supernette Erfahrungen, ich hab sie lieb. Auch das Team von der Landesschau SWR, das mich zu Hause besucht hat, war reizend, ich schloss sie alle im Nu in mein Herz. Ich habe auch kein Problem mit „Jetzt ordnen Sie die Rosen in der Vase nochmal“ und „Nippen Sie einmal am Glas und schauen verträumt in die Ferne“. Es macht mir mittlerweile sogar Spaß - vielleicht bin ich schon verdorben. Aber die Leute vom Fernsehen sind immer echt nett und machen auch nur ihre Arbeit, die ich nicht zu den schlechtesten oder langweiligsten zähle. Könnte mir auch vorstellen, so etwas zu machen, wenn diese Frage sich mir jemals wieder stellen würde. Was sie aus meinem Balkon rausgeholt haben – welche Perspektive, welche Weite und Vielfalt! Muss toll sein, mein Balkon!

Die Sendung war - abgesehen von meiner Performance natürlich, an dem ich jedes Mal herummäkeln MUSS, sehr nett. Das Fernsehteam einfach goldig, der Moderator Jürgen Hörig so sympathisch, dass ich – auch wenn ich kein großer Knuddler von fremden Menschen bin - ihn hätte knuddeln wollen, die Athmosphäre den Arbeitsumständen entsprechend recht entspannt, und ich danach zu Hause groggy. Aber angenehm groggy, als hätte ich was geleistet. Wenn man kein Arbeitsleben hat, ist es schon mal was, so ein Fernsehauftritt. Einen Lachanfall hatte ich auch, als ich zu Hause merkte, dass ich mit meiner alten, speckigen Perücke im Fernsehen war, die ich eigentlich längst wegschmeißen wollte und die nur aus dem Grund noch direkt neben der anderen hing, weil ich sie EVENTUELL noch zu besonders heißen und schwitzigen Sommertagen anziehen wollte, für die meine „gute“ Perücke zu schade gewesen wäre. Lachanfälle sind fast das Wertvollste im Leben, also danke, liebe Landesschau.

Das war jetzt die Abhakung dieser Geschichte, die Thema in einem der letzten datumsbezogenen Beiträge war. Was alles danach war, oder was überhaupt in den letzten Wochen oder Monaten war, kann ich nie mehr zusammenkriegen. Es war jedenfalls eine gute Zeit, so viel steht fest. Was mir davon spontan einfällt: Ich habe liebe Menschen getroffen, Freunde aus In- und Ausland. Habe ein paar schöne Grill- und Sonstfeste mitgefeiert, viel gesprochen und noch mehr zugehört. Meine Schwester Kristiina war eine Woche lang zu Besuch, das Wochenende verbrachten wir gemeinsam auf der Saarbrückener Kinderbuchmesse, wo sie als estnische Schriftstellerin zu Lesungen eingeladen war. Ich war im Theater, Oper und Kabarett (Über die Kabarettvorstellungen und über die Oper habe ich sogar eine lange Rezension geschrieben, scheute mich dann aber doch, sie reinzustellen, weil sie zu unkonventionell war und ich nicht für verrückt gehalten werden wollte.) Ich habe einen Haufen Bücher gelesen und Filme gesehen, aber über mein (verändertes?) Verhältnis dazu sollte ich vielleicht einen eigenen Beitrag schreiben. Vor drei Tagen habe ich eine Hundezüchterin besucht mit vier Wochen alten Welpen, von denen einer künftig meinen Freunden gehört. Fünf Stunden saßen wir zu viert da und freuten uns einfach. Tiere machen uns zu besseren Menschen, davon bin ich überzeugt. Da meine Mundschleimhäute momentan recht ansehnlich sind, habe ich viele Mahlzeiten zu mir nehmen können, die mich keineswegs anekelten, und mehrere, die mir einen regelrechten Genuss bereiteten. Eines Nachts oder Morgens, als ich nicht schlafen konnte, habe ich einen Sonnenaufgang erlebt, der mich tränenüberströmt wieder ins Bett gehen ließ. Ich ging bewusst schlafen, bevor der glühende Streifen mit seinem im Wortsinn überirdischen Farbenspiel ganz verschwunden war und der Tag oder zumindest die Sonne offiziell begonnen hatte. Und ich erkläre ebenso bewusst nicht, was ich dabei fühlte oder warum ich es nicht komplett auskostete.

Ich habe also nichts Besonderes zu erzählen. Was mache ich denn groß? Ich mache nichts, was irgendwie interessant wäre oder was andere nicht tun würden. Aber es ist einfach alles so schön.

Hier ein Foto von vor einer Woche, entstanden in dem Zen-Garten des Saarbrückener Hotels. Ich bin zwar todmüde nach den Messetagen, sehe aber nicht gerade sterbend aus, finde ich. Die Perücke sitzt allerdings wieder mal schief.



Kommentare:

  1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Irja,

    ich würde gerne den SWR-Beitrag sehen. Habe ich den schon wieder verpasst? Hoffentlich nicht. Ich denke du sagt bescheid, sobald es einen Sendetermin gibt.

    "Ich habe einen Haufen Bücher gelesen und Filme gesehen, aber über mein (verändertes?) Verhältnis dazu sollte ich vielleicht einen eigenen Beitrag schreiben."

    Mich würde es jedenfalls sehr interessieren.



    Tiere. Ich kann kaum beschreiben wie viel Glück und Freude Tiere in mein Leben bringen. Fast jeden Tag gehe ich mit meiner besten Freundin "Cleo" im Wald spazieren. Sie ist ein Hund, mit dem man fast tiefer kommunizieren kann als mit den meisten Menschen. Wenn ich mit ihr spreche, stellt sie den Kopf ganz schief und hört ganz aufmerksam zu. Sie liebt Wasser und ich schmeiße unermüdlich irgendwelche Knüppel in den See. Manchmal halte ich sie eher für einen Seehund, als für einen Labrador. Was besonders bei Hunden faszinierend ist, ist ihre Freude über Alltägliches. Denn, es ist jeden Tag DIE SENSATION spazieren zu gehen!
    Wenn ich Probleme habe oder schlecht gelaunt bin, gehe ich einfach mit Cleo in den Wald und lasse ihre Freude und Unbekümmertheit auf mich rüberschwappen.

    Zu meinem engeren Freundeskreis zählen auch zwei Katzen „Ella“ und „Rika“. Es ist erstaunlich wie beruhigend sie auf mich wirken können, wenn ich ihnen nur dabei zusehe, wie sie sich sauberlecken. Und auch nach Jahrzehnten, in denen ich Tiere beobachte, bin ich jedes Mal aufs Neue fasziniert von der Art wie sie sich bewegen oder der Geduld wie sie etwas beobachten.

    Ich könnte endlos über meine Beziehung zu Tieren schreiben…

    Leider kann ich hier eine Bilder einstellen, sonst hätte ich es getan.

    Dein Bild ist wunderschön.

    AntwortenLöschen
  3. Hallo Tamara,
    Du kannst die Radiosendung hören. http://swrmediathek.de/suche.htm?econt=Irja%20Kass
    Falls der Link nicht funktioniert, geh auf SWR Mediathek und dann suche nach Irja Kass.
    Meine Frau hat Brustkrebs. Ich habe ihr letztes Jahr eine Siamkatze besort zu unserem Kater und drei Monate später sind Sieben Zwerge auf die Welt gekommen. Das hat meiner Frau so gut getan, dass waren richtige Therapiekatzen. Ich verstehe Dich sehr gut. Tiere sind so authentisch und Tieren ist es egal, wie man aussieht. Tiere sehen wirklich mit dem Herzen gut.
    Grüßle, Roland

    AntwortenLöschen
  4. Hallo Tamara, die Sendung ist längst gelaufen, war live, googel mal unter "Landesschau SWR" und meinem Namen. Die ist aber nicht vollständig und teilweise ohne Ton, es sei denn, die haben es mittlerweile geändert.

    AntwortenLöschen